Der Bass als Lead-Instrument: Stanley Clarke · Studio-LP 1975 · New York
Stanley Clarke – Journey to Love | Schallplatten Blog
Jazz-Rock-Fusion mit Jeff Beck, Chick Corea und John McLaughlin: 1975 Platz 3 der US-Jazzcharts, Platz 8 der R&B-Charts
Das ist die LP „Journey to Love“ von Stanley Clarke. Sie erschien 1975 und ist sein drittes Soloalbum. Clarke spielt Bass und Orgel und singt auch selbst. Er holte sich große Namen ins Studio: Jeff Beck, Chick Corea, John McLaughlin und George Duke.
Warum hatte ich mal diese LP gekauft? Weil Stanley Clarke wohl der erste Bassist war, der den Bass zu Lead-Instrument gemacht hat. 70er Jahre Fusion / Jazzrock. Ich wollte hören, was es mit der Musik macht. Darum schreibe ich unten auch noch was zu den beiden Hauptprotagonisten auf dieser Schallplatte.
Aber erst mal weiter mit der Schallplatten-Vorstellung:
Auf Seite 1 laufen vier Stücke, darunter „Silly Putty“ und das Titelstück. Seite 2 startet mit dem zweiten Teil von „Song To John“, einer Widmung an John Coltrane. Zum Schluss folgt das 14-minütige „Concerto For Jazz/Rock Orchestra“.
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Stanley Clarke und seine Bands
Stanley Clarke wurde am 30. Juni 1951 in Philadelphia geboren. Er spielt Kontrabass und E-Bass und gilt als einer der prägenden Bassisten des Jazz-Rock. Er ist wohl der erste Musiker, der den Bass in den Vordergrund des Arrangements stellt.
Bekannt wurde er als Bassist der Band Return to Forever von Chick Corea. Return Forever waren von 1972 bis 1977 aktiv. Clarke blieb als einziges Mitglied neben Corea die ganze Zeit dabei. Das sind die Alben mit ihm:
- Return to Forever (1972)
- Light as a Feather (1973)
- Hymn of the Seventh Galaxy (1973)
- Where Have I Known You Before (1974)
- No Mystery (1975)
- Romantic Warrior (1976)
- Musicmagic (1977)
Weitere Stationen als Musiker:
- New Barbarians (1979): mit Ron Wood und Keith Richards
- Clarke/Duke Project: mit George Duke, ab 1981
- Animal Logic: mit Stewart Copeland und Deborah Holland, bis 1991
- TRIO!: seit 2005 mit Béla Fleck und Jean-Luc Ponty
- SMV: mit Marcus Miller und Victor Wooten, Album „Thunder“ (2008)
- Gast auf „Mingus“ von Joni Mitchell (1979)
Clarke schrieb auch Filmmusik, zum Beispiel für „Boyz n the Hood“ (1991), „Poetic Justice“ (1993) und „Romeo Must Die“ (2000).
Wo steht diese LP? Sie ist nach „Children of Forever“ (1973) und „Stanley Clarke“ (1974) sein drittes Soloalbum. Hier nahmen Clarke und George Duke zum ersten Mal zusammen auf. Daraus wurde später das Clarke/Duke Project. Sein bekanntestes Album ist „School Days“ von 1976. Es kam direkt nach „Journey to Love“.
Besetzung und Stücke auf Journey to Love
Alle Stücke hat Clarke komponiert, arrangiert und dirigiert. Bei „Song To John“ schrieb Chick Corea mit. Den Text zu „Journey To Love“ schrieben Stevie Geltman und Jill Steinberg. Verlag ist Clarkee Music (BMI).
Die Stücke auf der Schallplatte:
- Seite 1: Silly Putty (4:52)
- Seite 1: Journey To Love (4:52)
- Seite 1: Hello Jeff (5:16)
- Seite 1: Song To John, Part I (4:22), gewidmet John Coltrane
- Seite 2: Song To John, Part II (6:09)
- Seite 2: Concerto For Jazz/Rock Orchestra (14:25)
Die Musiker auf der LP Journey to Love:
- Stanley Clarke: Alembic-E-Bass, Piccolo-Bass mit Maestro-Synthesizer (im Concerto), Kontrabass, Handglocken, Röhrenglocken, Orgel, Gong, Gesang
- George Duke: Mini-Moog, ARP Odyssey, Orgel, ARP String Ensemble, Clavinet, Akustik- und E-Piano, Glocken, Gesang
- Steve Gadd: Schlagzeug, Percussion
- David Sancious: E-Gitarre, 12-saitige Gitarre
- Jeff Beck: E-Gitarre bei „Hello Jeff“, Gitarrensolo bei „Journey To Love“
- Lenny White: Schlagzeug bei „Hello Jeff“
- Chick Corea: Akustikpiano bei „Song To John“
- John McLaughlin: Akustikgitarre bei „Song To John“
- Bläser: Jon Faddis, Lewis M. Soloff, David Taylor, Peter Gordon, Allen Rubin, Thomas Malone, John Clark, Earl Chapin, Wilmer Wise
Bei „Hello Jeff“ spielt Clarke E-Bass und Orgel. Bei „Song To John“ spielt er Kontrabass.
Produzenten, Charts und Diskografie
Produziert haben Stanley Clarke und Ken Scott, für Lopsy Lu Productions in Abstimmung mit Forever Unlimited Productions. Aufgenommen wurde in den Electric Ladyland Studios in New York. Abgemischt wurde in den Scorpio Studios in London. Ken Scott war Toningenieur, Jerry Solomon sein Assistent. Bei „Song To John“ war Bernie Kirsch der Toningenieur. Fotos: Steinbicker/Houghton. Art Direction: Bob Defrin.
Ken Scott und seine anderen Produktionen
Mich interessiert, was der Produzent sonst noch so produziert hat. Denn bei Schallplattenaufnahmen sind es oft die Produzenten, die aus einem Stück Musik ein schallplattentaugliches Werk machen. Damit beeinflussen sie die Band / Musiker schon ziemlich.
Als junger Toningenieur arbeitete Ken Scott anscheinend schon bei den Beatles. Als Produzent kennt man ihn zum Beispiel von diesen Platten:
- David Bowie: „Hunky Dory“ (1971, Co-Produktion), „Ziggy Stardust“ (1972), „Aladdin Sane“ (1973)
- Supertramp: „Crime of the Century“ (1974)
- Billy Cobham: „Crosswinds“ und „Total Eclipse“ (1974)
- Mahavishnu Orchestra: „Visions of the Emerald Beyond“ (1975)
- Stanley Clarke: „School Days“ (1976)
- Devo: „Duty Now for the Future“ (1979)
- Jeff Beck: „There & Back“ (1980)
- Kansas: „Vinyl Confessions“ (1982)
- Level 42: „True Colours“ (1984)
Charts, Hits
In den USA kam „Journey to Love“ auf Platz 34 der Billboard 200, auf Platz 8 der R&B-Charts und auf Platz 3 der Jazz-Charts. Ein größerer Chart-Erfolg kam für Stanley Clarke ein Jahr später mit „School Days“ (1976): Platz 34 der Billboard 200 und Platz 2 der Jazz-Charts.
Diskografie von Stanley Clarke in Auswahl
- Children of Forever (1973) (Er hatte es irgendwie mit diesem Forever ;)
- Stanley Clarke (1974)
- Journey to Love (1975)
- School Days (1976)
- Modern Man (1978)
- I Wanna Play for You (1979)
- Rocks, Pebbles and Sand (1980)
- Let Me Know You (1982)
- Time Exposure (1984)
- Find Out! (1985)
- Hideaway (1986)
- If This Bass Could Only Talk (1988)
- The Toys of Men (2007)
- The Stanley Clarke Band (2010)
Viele Infos, um letztlich nur eine Schallplatte vorzustellen, oder? Aber irgendwie habe ich mit diesem Blog begonnen, mich für ein wenig Kontext zu der Musik zu interessieren. Die 70er und 80er Schallplatten, die ich für dieses Blog ausgesucht habe, sind fast alle aus dem Bereich Jazz, Jazzrock und Fusion. Wie ich als Jugendlicher gerade darauf gekommen bin, weiß ich nicht mehr, Bei uns im Haushalt gab es eher Klassik und dazu James Last und Insterburg & Co und solche Sachen im Plattenregal zu finden.
Ich wollte hier ja noch was zu Stanley Clarke schreiben; warum er so ein wichtiger Musiker ist. Vorab aber die Frage nach Schallplatte vs CD vs Streaming: irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Musik eine knisterfreie CD gut tun würde. Ganz gegen mein Mantra: aufgenommen für das Medium Vinyl, also auch vom Klangbild auf die Möglichkeiten von Vinyl ausgerichtet.
Nun aber ein paar Sätze zu Stanley Clarke:
Stanley Clarke
Instrumente: Bass, vor allem E-Bass, aber auch Kontrabass. Dazu gelegentlich Piccolo-Bass und Tenorbass, also höher gestimmte Bässe, mit denen er solistisch spielt.
Was ihn ausmacht:
Stanley Clarke hat den E-Bass vom reinen Begleitinstrument zum Soloinstrument gemacht!
Er spielt Basslinien mit der Geläufigkeit eines Gitarristen und mit enormer Wucht. Die Titel School Days (1976) gilt bis heute als Schlüsselalbum für Bassisten: Der Titelsong mit seinem Riff ist ein Pflichtstück für jeden, der Slap- und Fingerstyle-Technik lernt. Er hat außerdem die Slap-Technik im Jazz mitgeprägt.
Und deshalb ist diese Schallplatte für alle Menschen, die Bass spielen, ganz sicher mal wert zu hören.
Stanley Clarke wird oft als einer der einflussreichsten Bassisten überhaupt genannt, bekam mehrere Grammy-Auszeichnungen und gilt als Wegbereiter des Solobasses.
Also Bassisten dieser Welt: hört mal rein in eine der 70er Jahre Scheiben von Stanley Clarke!
Weiterführende Links
Kleines Quiz zur Schallplatte
Welcher berühmte Gitarrist ist bei „Hello Jeff“ und im Titelstück zu hören?
Jeff Beck. Bei „Hello Jeff“ spielt er E-Gitarre, bei „Journey To Love“ das Gitarrensolo.
Wem ist „Song To John“ gewidmet?
John Coltrane. Das Stück schrieben Stanley Clarke und Chick Corea.
Wer hat die LP produziert und was hat er noch produziert?
Stanley Clarke und Ken Scott. Scott produzierte auch David Bowies „Ziggy Stardust“ und Supertramps „Crime of the Century“.
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